Posts

DIE LETZTE REISE

Bild
Hier stehen die drei Emser Brüder stolz vor dem berühmten Monumentalgemälde „Hohenemser Festtafel“ ( Fortes Fortuna adiuvat ). Am Tag zuvor, dem 1. Oktober 2025, sind wir per Auto von Wien zur alten böhmischen Königsstadt Polička gereist, um noch ein letztes Mal den Emsern nachzuspüren. In dieser kleinen Prunkstadt befindet sich die Hohenemser Porträtgalerie , in der ein Großteil der noch erhaltenen Emser Bildersammlung ausgestellt ist. In mehreren Sälen kann man dort die Konterfeis der meisten Emser vom 15. bis zum 18. Jahrhundert bewundern. Gerade sind wir vom Schloss Frischwald in Bistrau (Bistré) gekommen und werden bald 50 Kilometer weiter ostwärts nach Mähren steuern, um den Rest der Sammlung im Schloss Kunigwald (Kunin) zu besichtigen. Polička liegt fast 520 Kilometer ostwärts von Vorarlberg, wie der Vogel fliegt. Wie kommt es, dass die Emser Bildersammlungen so weit von den Emser Herrschaftssitzen entfernt aufbewahrt werden? Nur Geduld! Um das zu klären, müssen wir wieder nac...

SCHULDENFALLE

Bild
Ein Gläubiger mit seiner Gemahlin Künstler : Massys (1514)    Quelle : Louvre Es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben. Nach langem Zögern muss ich mich doch zusammenraffen und die Emser Geschichten abschließen. Bisher hat es sich immer wieder erwiesen, dass in Krisenzeiten besonders fähige Repräsentanten des Hauses hervorgetreten sind, die das Geschlecht vor dem Schlimmsten bewahrten und ihm zu neuem Erfolg verhalfen. Doch mit dem Tod Kaspars von Hohenems (1574-1642), des Letzten der großen Emser, war es damit vorbei. Von nun an ging es mit den Emsern bergab, bis zur bitteren Schlussszene an der Wende zum 18. Jahrhundert. Das durchgehende Thema dieses Niederganges lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Schuldenfalle . Als Schuldenfalle wird das Ende eines Verlaufs bezeichnet, der sich durch ständige Überkonsumtion auszeichnet. Mit anderen Worten: Wenn über einen längeren Zeitraum hinweg die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, können die daraus entstehenden Schulden a...

DESENGAÑO

Bild
An diesem schönen Frühlingstag, dem 22. Mai 2019, stand ich im Treppenhaus eines großartigen Schlosses und machte mir Gedanken über ein dort befindliches Monumentalgemälde, das hier abgebildet ist. Zwei Wochen zuvor hatten wir unsere Brüderreise abgeschlossen ( Baudrang ), ich war zurück in meiner Wahlheimat Schweden und befand mich gerade auf einer Spritztour im Norden Stockholms. Das Bildnis maß in der Höhe bestimmt zwei Meter und war in der Breite noch größer. Es war zu sehen, dass es nicht fachgerecht transportiert worden war. Man konnte noch Faltspuren ausmachen und sich vorstellen, wie man es einmal, brutal zusammengebeugt, auf einen Ochsenkarren geworfen und mühselig gen Norden transportiert hatte. Zudem sah das Bild beschnitten aus. Im Originalzustand war es sehr wahrscheinlich um einiges breiter. So, wie ich vor dem Gemälde stand, kam mir plötzlich eine Eingebung: „Könnte es sein? Nein, sicher nicht! Aber vielleicht doch!“ Reichsgraf Kaspar von Hohenems (1613) Painter : Unknow...