Posts

WAS IST MIT UNS?

Bild
Der erste fotografisch dokumentierte Emser Johann Ems ( 1811-74 )      Quelle : Helmut Sicheritz Im Juni 2022 war ich in Bad Vöslau bei Wien auf „Gesundheitsurlaub”. In Österreich ist es Brauch, dass die Krankenkasse ihren Versicherten alle drei Jahre einen dreiwöchigen Kuraufenthalt spendiert. Da mein Bruder Ludwig immer mit Begeisterung von seinen Kuren erzählt hatte, wollte ich ihn dieses Mal begleiten, um selbst herauszufinden, worum es dabei geht. Bad Vöslau war eine angenehme Erfahrung für mich, aber darüber können wir uns ein andermal unterhalten. Ludwig war ein sehr aktiver Kurgast und bereicherte seinen Aufenthalt mit zusätzlichen Spaziergängen und Ausflügen. So nahm er mich eines Tages mit auf eine Überraschungsspritztour, die durchaus Bezug zu diesem Blog hat. Nach einer Viertelstunde Fahrt mit dem Auto kamen wir zu einem dünnen Bächlein, das schnurgerade durch die Gegend plätscherte. Die Ufer waren von Büschen verdeckt und rechts davon lief ein schmaler Weg, w...

WEIBLICHE NACHHUT

Bild
Der Zug des Todes ...          ... mit Zugglöckchen eingeleitet Künstler : Spangenberg (1876)        Quelle : Alte Nationalgalerie Berlin Es war Mittagszeit in Hohenems, an diesem kühlen Novembertag, den zwölften, im Jahr 1759. Plötzlich, gleich nach dem Angelusläuten, begann die Zugglocke in der Karlskirche zu schellen. Reichsgraf Franz Wilhelm III. , der letzte Emser, war von hinnen geschieden. Schon sieben Tage zuvor hatte Franz Wilhelm in Graz seinen Geist aufgegeben. Am Morgen danach wurde eine Depesche nach Hohenems abgesandt, die von den Postboten Tag und Nacht hindurch in Staffeln spornstreichs befördert wurde. Nach fünf Tagen war sie am Arlberg angekommen. Doch ein früher Schneesturm verzögerte den Transport. Die Ledertasche mit der traurigen Nachricht musste mühselig Schritt für Schritt durch den Schnee über den Pass geschleppt werden. Am Vormittag des 12. Novembers war es schließlich so weit: Die Depesche konnte dem Herrschaftsverw...

ABENDROT

Bild
Die Ambrasser Rüstungssammlung, ausgestellt im Unteren Belvedere 1814-90 Künstler : Goebel (1875)    Quelle : Kunsthistorisches Museum, Wien An einem Frühsommertag im Jahr 1854 besuchte eine Edeldame im mittleren Alter Prinz Eugens Prunkschloss Belvedere in Wien. Nachdem sie den Schlosspark hinunter zum Unteren Belvedere spaziert war, betrat sie die Ausstellungsräume dieser eindrucksvollen Anlage. Bald blieb sie vor vier alten Rüstungen stehen, die nebeneinander an der Wand hingen. Und dort verweilte sie in tiefer Konzentration. Der Kustos der Schlosssammlungen befand sich zufällig im gleichen Raum und wurde auf die Dame aufmerksam; sie war ja die einzige Besucherin an diesem stillen Vormittag. Er gesellte sich zu ihr und wollte sie über die Geschichte der Rüstungssammlung des Saals aufklären. Zu seiner Überraschung unterbrach sie ihn gleich und erzählte ihrerseits den Lebenslauf der vier Helden, die die Harnische einst getragen hatten. Mehr noch, sie erklärte ihm auch, dass ...