DIE LETZTE REISE
Hier stehen die drei Emser Brüder stolz vor dem berühmten Monumentalgemälde „Hohenemser Festtafel“ (Fortes Fortuna adiuvat). Am Tag zuvor, dem 1. Oktober 2025, sind wir per Auto von Wien zur alten böhmischen Königsstadt Polička gereist, um noch ein letztes Mal den Emsern nachzuspüren. In dieser kleinen Prunkstadt befindet sich die Hohenemser Porträtgalerie, in der ein Großteil der noch erhaltenen Emser Bildersammlung ausgestellt ist. In mehreren Sälen kann man dort die Konterfeis der meisten Emser vom 15. bis zum 18. Jahrhundert bewundern. Gerade sind wir vom Schloss Frischwald in Bistrau (Bistré) gekommen und werden bald 50 Kilometer weiter ostwärts nach Mähren steuern, um den Rest der Sammlung im Schloss Kunigwald (Kunin) zu besichtigen.
Polička liegt fast 520 Kilometer ostwärts von Vorarlberg, wie der Vogel fliegt. Wie kommt es, dass die Emser Bildersammlungen so weit von den Emser Herrschaftssitzen entfernt aufbewahrt werden? Nur Geduld! Um das zu klären, müssen wir wieder nach Vorarlberg reisen und uns dabei fast 350 Jahre zurückversetzen.
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| Das Rathaus in Polička Sitz der Hohenemser Porträtgalerie |
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Nach der Absetzung des abscheulichen Ferdinand Karls in Vaduz/Schellenberg im Jahr 1684 und der schmählichen Flucht Franz Karls aus seiner Herrschaft Hohenems/Lustenau im Jahr 1687 befanden sich sämtliche Emser Besitzungen in Zwangsverwaltung unter der Leitung des Abts von Kempten (Schuldenfalle). Man könnte meinen, dass dies für Ordnung in den Finanzen der Güter gesorgt hätte, doch da täuscht man sich! Selbst bei hocheffizienter Verwaltung der Besitze und äußerster Sparsamkeit der Herrschaft wäre der Schuldenberg nicht verringert worden. Tatsächlich wuchsen die Schulden trotz der Zwangsverwaltung immer weiter.
Die Hauptursache dieses finanziellen Verfalls ist in der Geopolitik zu suchen. Der Westfälische Frieden, der dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg folgte, brachte nur kurze und brüchige Ruhe ins Reich. In Frankreich kam ein neuer Herrscher an die Macht, der über ein halbes Jahrhundert hinweg ganz Europa dominieren sollte. König Ludwig XIV. (1638-1715), ein ehrgeiziger und aggressiver Monarch, setzte sich zum Ziel, die Großmacht der Habsburger ein für alle Mal zu brechen, sie durch die Seinige zu ersetzen und die Grenzen Frankreichs nach Osten bis zum Rhein auszuweiten. Er verbündete sich mit den Osmanen im Osten und schritt ans Werk. Während seiner Herrschaft von 1661 bis 1715 gab es im Reich und bei den Habsburgern gerade einmal knapp fünfzehn Jahre Frieden.
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| Ein „Vielfraß“ ... ... verwüstet Heidelberg 1689 Künstler: le Brun (1662) Künstler: Dietz (1856) Quelle: Versailles Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg |
Auch wenn der Alpenrhein in diesen Kriegszeiten von fremden Angriffen verschont blieb, waren die Emser Herrschaften, insbesondere Vaduz/Schellenberg, indirekt schwer betroffen. Immer wieder zogen Truppen durch die Ländle, oft gab es auch Zwangseinquartierungen von Reichskontingenten – und das alles auf Kosten der Herrschaft und der verarmten Untertanen. Wie im Dreißigjährigen Krieg brachten die fremden Durchzüge allerlei Krankheiten und Seuchen mit sich – als ob Verarmung und Hungersnot nicht schon genug Elend verursacht hätten!
Für die Herrschaft kam noch hinzu, dass sich Reichsgraf Kaspar von Hohenems bei dem Kauf von Vaduz/Schellenberg im Jahr 1613 verpflichtet hatte, die Reichssteuern der Untertanen zu übernehmen. Diese hatten nur eine (mäßige) Abgabe an die Herrschaft zu leisten, den sogenannten „Schnitz” (Desengaño). Die ständigen Kriege mussten jedoch mit immer weiter steigenden Reichssteuern finanziert werden, die bald ein Vielfaches des „Schnitz” ausmachten und stark dazu beitrugen, dass die Herrschaftsschulden ständig stiegen.
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Mit dem Tod Ferdinand Karls im Jahr 1686 traten zwei neue „Dramatis Personae” auf die Bühne: seine zwei Brüder. Franz Wilhelm II. (1654–1691), der jüngere der beiden, erwies sich als agil und tatkräftig. Er trat sehr früh in die Dienste der Habsburger und war schon vor dem Tod seines Vormundonkels im Jahr 1674 Fähnrich im Stanbergischen Regiment in Dôle (Burgund).
Dazu ist anzumerken, dass die Zeit der Landsknechtshaufen nach dem Dreißigjährigen Krieg endgültig vorbei war. Dem Beispiel Ludwigs des XIV. folgend hatten auch die Habsburger ihr Kriegswesen reformiert und auf stehende Armeen umgestellt. Somit konnte dieser junge Emser seine Karriere nicht mehr als Landsknechtsobrist, sondern musste sie nunmehr als patentierter Offizier in der kaiserlich-habsburgischen Armee forcieren. Und seine Karriere forcierte er mit Bravour! Kurz nach dem Tod seines Bruders war er 1688 bereits Obristleutnant im pfälzisch-neuburgischen Kürassierregiment, kaiserlicher Kämmerer und genoss die Gunst des Kaisers, da er sich im Großen Türkenkrieg (1682–1699) ausgezeichnet hatte, der mit der zweiten Türkenbelagerung Wiens ausgebrochen war.
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| Franz Wilhelm II. bewährt sich in der Schlacht bei Mohács 1687 Künstler: Nijport Quelle: Rijksmuseum Amsterdam |
Sein älterer Bruder Jakob Hannibal III. (1553-1730) war eine eher bedächtige Person. Er ähnelte mehr seinem Urgroßvater Kaspar als dessen kriegerischen Vater Jakob Hannibal I. Als zweiter Sohn in der Familie war er für eine kirchliche Karriere bestimmt. Leider konnte es nicht dazu kommen. Obwohl er sein Universitätsstudium in Salzburg abgeschlossen hatte, fehlte ihm die nötige Protektion, um früh eine Pfründe zu erwerben und seine Karriere zu beginnen. Das im Gegensatz zu seinem Cousin Anton Josef, dem sein Vater Karl Friedrich noch einen Platz im Domkapitel von Konstanz besorgen konnte (Schuldenfalle).
So musste Jakob Hannibal nach dem Tod seines Vormundonkels im Jahr 1675 und seiner Rückkehr aus Salzburg sein karges Dasein in der Burg von Vaduz fristen, wie wir bereits erfahren haben, d. h. auf seines abscheulichen Bruders Gnade. Einige Jahre hielt er es aus, doch dann kam das Fass zum Überlaufen. Im Jahr 1679 verfasste er mit Unterstützung von Franz Wilhelm II. seine Schrift an das Reichskanzleramt. In dieser verklagte er beide Landesherren, seinen Bruder Ferdinand Karl und seinen Cousin Franz Karl, wegen Misswirtschaft des Fideikommisses und forderte die ihm zustehende Nutznießung aus den Herrschaften (Schuldenfalle). Damals verstand er noch nicht, dass die Schuldenfalle bereits zugeschlagen hatte, und hegte vielleicht eine jugendlich-naive Hoffnung, dass beide Landesherren entmachtet und durch ihn selbst ersetzt werden könnten.
Das Reichskanzleramt ließ sich mit der Prüfung Zeit und legte die Anklage schließlich zu den Akten, sodass Jakob Hannibal weiterhin auf die Gnade seines ältesten Bruders angewiesen blieb. Auch er wählte nun die Militärkarriere und suchte sich zur spanischen Armee, jedoch ohne nennenswerte Leistungen. Doch nach fünf Jahren drehte sich das Rad des Schicksals Schlag auf Schlag: Bereits 1684 wurde Ferdinand Karl als Landesherr entmachtet und eingekerkert; zwei Jahre später starb er. Jetzt sah Jakob Hannibal seine Stunde gekommen und forderte, als Landesherr in Vaduz/Schellenberg eingesetzt zu werden. Aufgrund der hohen Schuldenlast der Herrschaft zögerte das Reichskanzleramt, doch der inzwischen dreißigjährige Aspirant konnte die Landesstände für sich gewinnen. Im Vergleich zu seinem älteren Bruder erschien er diesen als geeigneter Ersatz, und so erbaten sie sich Jakob Hannibal als ihren neuen Landesherren!
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| Sigill der Beamten des Abts von Kempten Quelle: Historisches Lexikon des F. Liechtenstein |
Das Reichsamt kam zu einem salomonischen Entschluss: Jakob Hannibal wurde zwar im Jahr 1686 als Landesherr eingesetzt, aber stand weiterhin unter der finanziellen Vormundschaft des Abtes von Kempt! Man kann sich gut vorstellen, was das für Konflikte zwischen den Parteien verursachte, denn der Landesherr musste mit einer knappen Tantieme auskommen, die der Abt zu genehmigen hatte. Landesherr und Abt verklagten sich ständig gegenseitig beim Kaiser, sodass sich die Lage zunehmend zuspitzte
Etwas später, im Jahr 1687, kam es, wie wir wissen, zur Flucht des nördlichen Landesherrn Franz Karl in die Schweiz (Schuldenfalle). Wieder eine Öffnung für Jakob Hannibal! Dieser ersuchte sofort den Kaiser um seine Einsetzung als Landesherr auch in Hohenems/Lustenau. Er sah sich bereits als Alleinherrscher der Emser Besitzungen, der die Gesamtschulden in den Griff bekommen könne. Doch der Kaiser entschied anders: Er behielt die Hohenemser Herrschaft in Zwangsverwaltung unter dem Abt von Kempten und setzte 1688 den jüngeren Bruder Franz Wilhelm II. als Herrschaftsverwalter unter dem Abt ein. Da Franz Karl nicht abgedankt hatte, war er formell noch immer Landesherr von Hohenems, wenn auch die Herrschaft unter Zwangsverwaltung stand. Somit war die Möglichkeit verspielt, die Schulden unter einem gemeinsamen Landesherrn allmählich abzubauen.
Die Verwaltung der nördlichen Herrschaft unter Franz Wilhelm stand zunächst unter einem guten Stern. Der Reichsgraf besaß dank seiner Militärerfolge ein ausreichendes Privatvermögen und war nicht von den Einkünften der Herrschaft Hohenems für sein standesgemäßes Vivre abhängig. Zwischen den Kriegszügen fand sich sogar Zeit für Heiratspläne, und im April 1691 war es schließlich so weit: Er vermählte sich mit Aloisia Josepha von Liechtenstein (1670–1736), der Nichte des hausältesten Fürsten Johann Adam I. von Liechtenstein. Auf die Liechtensteiner werden wir noch zurückkommen!
Doch es gab nur wenige Gelegenheiten für romantische Zusammentreffen, denn die Türken waren wieder auf dem Vormarsch. In der Schlacht bei Slankamen im August 1691 konnte ihr Angriff auf Ungarn gerade noch abgewehrt werden. Franz Wilhelm wurde jedoch im Kampf schwer verwundet und starb kurz danach in Petervardein (bei Novi Sad im heutigen Serbien). Die Geburt seines Sohnes Franz Wilhelm III. (1692–1759) sollte er nicht mehr erleben. Wieder ein Schicksalsschlag für die Emser: Die Hoffnung, ihr Wappen durch kriegerische Großtaten wieder aufpolieren zu können, erlosch mit dem frühen Tod des Kriegers.
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| Franz Wilhelms ... ...letzte Schlacht – Slankamen 1691 Seite aus Merian [1702], Theatrum Europaeum Quelle: Porträtgalerie, Polička Quelle: Bayerische Staatsbibliothek |
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Wie schon erwähnt, steigerten sich die Probleme für den Landesherrn in Vaduz/Schellenberg inzwischen weiter. Die kaiserliche Administration hatte angeordnet, dass sämtliche in den Hexenprozessen konfiszierte Vermögen wieder restituiiert werden müssten. Dies war angesichts der verzweifelten finanziellen Lage der Herrschaft nicht möglich. Dazu kam, dass die Gläubiger, vor allem aus Graubünden und der Schweiz, immer mehr auf Rückzahlung der Darlehen drängten. Und die Einnahmen aus der völlig verarmten Herrschaft wurden immer geringer. Jakob Hannibal versuchte nun, wenigstens den Schnitz loszuwerden, doch die Landschaften weigerten sich kategorisch, dieses Abkommen mit der Herrschaft neu zu verhandeln. All dies trug dazu bei, dass der Landesherr bei seinen Untertanen äußerst unbeliebt wurde; das Vertrauen des Abtes hatte er schon verloren. So darf es uns nicht überraschen, dass der Kaiser den Landesherren nach nur zwei Regierungsjahren ab- und die Zwangsverwaltung unter dem Abt von Kempten wieder voll einsetzte.
Der entmachtete Landesherr musste sodann ohnmächtig zusehen, wie seine Herrschaft im folgenden Jahrzehnt zunehmend in den Abgrund schlitterte. Er begann einzusehen, dass es jetzt nicht mehr nur um die Regierungsmacht ging. Die Existenz des Fideikommisses war bedroht. Mit dem stetigen Anstieg der Schulden würde früher oder später der Zwangsverkauf sämtlicher Herrschaften vom Kaiser verordnet werden und die Emser würden ihren Sozialstatus als Hochadlige missen! Jetzt war keine Zeit mehr zu verlieren, es galt, zu retten, was noch zu retten war. Besser, man veräußerte schnell kleinere Herrschaftsteile, als sonst alles zu verlieren!
Bereits im Jahr 1689 schlug Jakob Hannibal vor, die Herrschaft Schellenberg zu verkaufen. Doch der kaiserliche Dienstweg mahlte langsam. Erst nach sechs Jahren stimmte die Reichskanzlei diesem Vorschlag zu. Als Vorbereitung des Verkaufs wurde verfügt, den Schnitz abzuschaffen. Nach weiteren drei Jahren war es schließlich so weit: Im Jahr 1699 kaufte Fürst Johann Adam I. von Liechtenstein (1657-1712), der Onkel von Jakob Hannibals Schwägerin, die kleine Herrschaft zum stattlichen Preis von 115.000 Gulden. Dazu erhielt er die Option, die Herrschaft Vaduz für weitere 290.000 Gulden zu erwerben.
Jakob Hannibal stimmte dieser Option gerne zu. Er hätte Vaduz am liebsten gleich verkauft, da die 115.000 Gulden nicht ausreichten, um sämtliche Emser Schulden zu decken. Diese beliefen sich nämlich bereits auf mehr als 200.000 Gulden. Leider erlaubte der Kaiser zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Verkäufe.
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| Johann Adam I. von Liechtenstein... ... kauft Schellenberg Künstler: van Roy (1706) Quelle (beides): Liechtenstein, The Princely Collection |
Auch der Liechtensteiner hatte Hintergründe für seine stattlichen Angebote. Zwar hatte der Kaiser seine Familie bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts mit dem Fürstentitel ausgezeichnet. Doch war dieser Titel nicht mit der Reichsfürstenwürde verbunden. Dazu bedurfte es eines angemessenen reichsunmittelbaren Besitzes, um die Zustimmung der Fürsten im Reichstag zu gewinnen. Schellenberg war dafür zu klein, doch Vaduz war eine Reichsgrafschaft und könnte vielleicht zusammen mit Schellenberg als Basis für die ersehnte Reichsfürstenwürde dienen.
Nun galt es für den emsigen Reichsgrafen, auch den Verkauf von Vaduz so schnell wie möglich durchzuziehen. Doch da stieß er auf zähen Widerstand. Die Reichsverwaltung war der Meinung, dass Vaduz ein zu großer Brocken war, um ihn ohne Weiteres vom Fideikommiss abzuzweigen. Daher konnte der Verkauf nur mit Zustimmung des Kaisers und der Nutznießer des Fideikommisses erfolgen. Dies waren vor allem das Haus Österreich, das laut Kaspars Testament bei Erlöschen des Geschlechts erbberechtigt war, sowie außer Jakob Hannibal selbst Franz Wilhelm III., der posthume und minderjährige Sohn des Kriegshelden, für den ein Vormund bestellt werden musste.
All dies brauchte seine Zeit. Vor allem Franz Wilhelms Vormundschaft erwies sich dabei als ständiger Bremsklotz. Zunächst musste ein Vormund gefunden werden, was bereits ein Jahr in Anspruch nahm. Der neu ernannte Vertreter, Graf von Königsegg-Aulendorf, war bei seiner Amtsausübung sehr zögerlich und äußerte immer wieder Bedenken gegen den Verkauf. Er begründete dies unter anderem damit, dass ein unverantwortlicher Jakob Hannibal III. die hohe Verkaufssumme bald mit seinem verschwenderischen Lebenswandel verbrauchen und weder seinem Sohn noch seinem Neffen etwas anderes als Schulden hinterlassen würde.
Der hochverschuldete Reichsgraf musste so ein weiteres Jahrzehnt durchstehen, in dem sich die Verhandlungen zwischen den Parteien hin- und herzogen, während der Schuldenberg weiterwuchs. Schließlich kam es doch zur Einigung: Ein Teil des Erlöses sollte für den Kauf einer mit Vaduz vergleichbaren Herrschaft anderswo bereitgestellt werden. Die Liechtensteiner und Jakob Hannibal machten sich auf die Suche und fanden schließlich eine angemessene Herrschaft in Böhmen namens Bistrau, die zur Verfügung stand. Der Kaiser stimmte im Jahr 1709 dem Tausch der Herrschaften im Fideikommiss zu und der Kauf schien in greifbare Nähe zu rücken. Doch so schnell ging es nicht!
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| Der Kaufbrief von Vaduz Quelle: Liechtenstein, The Princely Collection |
Inzwischen hatte Fürst Johann Adam I. sich nämlich nach anderen Möglichkeiten umgesehen, um Reichsfürst zu werden. Nach zähen Verhandlungen mit dem Reichskreis Schwaben konnte er einen ersten Erfolg verbuchen: Gegen ein zinsenfreies Darlehen von 250.000 Gulden gewährten ihm die Schwaben einen Sitz in ihrer Grafenbank und damit die gleiche Stellung, die er mit dem Erwerb der Grafschaft Vaduz erlangen würde. Kurz darauf starb sein einziger Sohn und sein Interesse für den Kauf von Vaduz erlosch damit vollständig.
Auf Drängen von Jakob Hannibal begann die kaiserliche Verwaltung allmählich, den Ernst der Lage zu begreifen, und schritt zur Tat. Am 3. Februar 1712 erteilte Kaiser Karl VI. dem Fürsten den Befehl, den Erwerb von Vaduz abzuschließen und die Kaufsumme zu erlegen. Kurz danach wurde der Kaufvertrag unterzeichnet. So kamen die Liechtensteiner schließlich nolens volens in den Besitz von Vaduz. Aus der südlichen Herrschaft der Hohenemser sollte ein Reichsfürstentum entstehen – und zwei Jahrhunderte später sogar der souveräne Staat Liechtenstein.
Der erste Schritt dazu wurde im Jahr 1718 getan. Der zögerliche Johann Adam hatte dem kaiserlichen Kaufbefehl erst gefolgt, nachdem der Kaiser ihm die Erhebung der Herrschaften Schellenberg und Vaduz in ein Reichsfürstentum in Aussicht gestellt hatte. Dies geschah dann im Jahr 1718, und die Liechtensteiner hatten damit ihr langersehntes Ziel erreicht. Sie konnten ihren Sitz in der Fürstenbank des Reichstags einnehmen!
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| Ein neugegründetes Reichsfürstentum ... ... huldigt dem Fürsten Quelle: Liechtenstein, The Princely Collection Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv |
Auch für die Emser war der Verkauf lukrativ. Zwar wurde der Schuldenberg dadurch nicht vollständig abgetragen, denn er war inzwischen wieder von 110.000 auf über 150.000 Gulden gestiegen. Der Erlös aus dem Verkauf von Vaduz betrug gewiss 290.000 Guiden, aber davon mussten 234.000 als Bezahlung für die Herrschaft Bistrau abgezweigt werden. Die Bilanz von 56.000 Gulden wurde zur Abzahlung verwendet, aber es verblieb noch immer ein Schuldenrest von fast 100.000 Gulden, der auf die Herrschaft Bistrau übertragen wurde. Doch hoffte der optimistische Jakob Hannibal, dass die saftigen Erträge der neuen Herrschaft – weit über 10.000 Gulden jährlich – diese Restschuld in absehbarer Zeit begleichen oder wenigstens im Zaum halten könnten.
Sodann erfolgte die Übersiedlung Jakob Hannibals mit seiner Familie nach Bistrau (Bistré) in Böhmen. Er durfte den Titel „Reichsgraf“ behalten, war jedoch nicht mehr reichsunmittelbar, sondern lediglich Besitzer einer Herrschaft in der Nähe von Polička und damit Untertan des Königs von Böhmen. Somit haben wir zum Teil die Antwort auf die anfangs gestellte Frage. Der Hauptsitz der Emser lag von nun an im Osten, weit entfernt von der Festung Hohenems!
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| Die neue Residenz der Emser Schloss Frischwald in Bistrau Künstler: Federsel (1806) |
Wird es dem königlich-böhmischen Grafen Jakob Hannibal III. gelingen, sich mit seiner Herrschaft trotz stattlicher Schulden über Wasser zu halten? Oder wird er sich mit Verschwendungssucht ins Verderben stürzen, wie die Emser es schon seit Großelternzeiten vorexerziert haben? Da wir bereits mit Erzählungen von Verschwendung, Verschuldung und Verfall überlastet sind, wollen wir diese Fragen einem kommenden Blogabschnitt überlassen.










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