WAS IST MIT UNS?

Der erste fotografisch dokumentierte Emser
Johann Ems (1811-74)     Quelle: Helmut Sicheritz

Im Juni 2022 war ich in Bad Vöslau bei Wien auf „Gesundheitsurlaub”. In Österreich ist es Brauch, dass die Krankenkasse ihren Versicherten alle drei Jahre einen dreiwöchigen Kuraufenthalt spendiert. Da mein Bruder Ludwig immer mit Begeisterung von seinen Kuren erzählt hatte, wollte ich ihn dieses Mal begleiten, um selbst herauszufinden, worum es dabei geht. Bad Vöslau war eine angenehme Erfahrung für mich, aber darüber können wir uns ein andermal unterhalten.

Ludwig war ein sehr aktiver Kurgast und bereicherte seinen Aufenthalt mit zusätzlichen Spaziergängen und Ausflügen. So nahm er mich eines Tages mit auf eine Überraschungsspritztour, die durchaus Bezug zu diesem Blog hat. Nach einer Viertelstunde Fahrt mit dem Auto kamen wir zu einem dünnen Bächlein, das schnurgerade durch die Gegend plätscherte. Die Ufer waren von Büschen verdeckt und rechts davon lief ein schmaler Weg, wie geschaffen für bequeme Ausflüge zu Fuß oder mit Fahrrad.

Der Wiener Neustädter Kanal, einst ...                                ... und jetzt                 
 Künstler: Wohlmuth (1876)   Quelle: Wiener Stadtmuseum                                                                          
Laut Ludwig war dieses Bächlein der letzte Rest einer einst strategisch wichtigen Verkehrsader im Wiener Becken: des Wiener Neustädter Kanals. Diese 63 km lange Wasserstraße, die einst von Wiener Neustadt bis nach Wien reichte, ist heute nur noch zur Hälfte erhalten und dient vor allem als Touristenattraktion. Für Geschichtsinteressierte ist sie jedoch ein Wahrzeichen der frühen Industrialisierung im Sinne des Merkantilismus.

Versetzen wir uns zurück in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nach den tragischen Jahrzehnten des Österreichischen Erbfolgekriegs und des Siebenjährigen Kriegs war das „Industrieherz” der Erbländer, Schlesien, den Habsburgern für immer entrissen. Um diesen Verlust zu kompensieren, wurde die Entscheidung getroffen, die Wirtschaftsentwicklung in anderen strategischen Regionen voranzutreiben. Böhmen, vor allem das Riesengebirge, und das Wiener Becken südlich der Residenzstadt Wien boten sich dafür an.

Es zeigte sich doch bald, dass es im Wiener Becken an guten Transportwegen mangelte. So entstand der Plan, einen Kanal von Wien aus südwärts zu bauen. Er sollte doch nicht nur das Becken erschließen, sondern war um einiges imposanter! Nach Wiener Neustadt sollte er sich durch Westungarn und Kroatien bis nach Triest erstrecken und damit eine schnelle Transportverbindung vom Mittelmeer zur Residenzstadt schaffen. Doch diese grandiose Blase von Vision wurde durch die Napoleonischen Kriege jäh geplatzt. Auch danach fehlten die notwendigen Staatsfinanzen und so blieb es beim Wiener Neustädter Kanal, der im Jahr 1803 fertiggestellt wurde.

-o-

In der langen Friedenszeit vom Wiener Kongress bis zum Revolutionsjahr 1848 erlebte diese vom Kanal versorgte Gegend einen raschen Wirtschaftsaufschwung. Das war genau die Zeit, in der ein junger Emser ins Licht der Geschichte trat.  Sein Name war Johann Ems (1811-74) und er ist der erste Emser, der uns auf einem Bild erhalten ist. Allerdings ist er auf dem Foto schon ein reiferer Herr; es muss gegen Beginn der 1860er Jahre aufgenommen worden sein.

Taufeinträge: Urban und Johann Ems

Johann Ems stammt aus Feistritz am Wechsel, einer Gegend, in der die Berge ins Hügelland übergehen, bevor sie gegen Norden im Wiener Becken versiegen. Folgerichtig ist die Gegend auch als „Die Bucklige Welt” bekannt. Johanns Vater Urban (1778–um 1830) wurde in der benachbarten Kirchengemeinde Edlitz als Untertan der Herrschaft Stift Neukloster geboren. Anscheinend konnte er den elterlichen Bauernhof dort nicht übernehmen, sodass er sich im Jahr 1806 eine Bauerntochter jenseits der Herrschaftsgrenze erheiratete: Gertrud Widner aus Feistritz. Auch hier war ihm der Bauernhof versagt und er musste mit seiner Familie ein karges Dasein als Söllner fristen.

Anders als sein Vater, der nur den Schritt über die Herrschaftsgrenze schaffte, zog es Johann in die „weite Welt”. Leider ist uns nichts Näheres über seinen Lebenslauf bekannt. Überliefert sind nur die Eintragungen in den Kirchenbüchern und sein Foto. Daraus können wir jedoch schließen, dass er sich schon in seiner Jugend entschlossen hatte, seinen eigenen Weg zu gehen und sich zu bürgerlichem Wohlstand aufzuarbeiten. Die im Wiener Becken aufblühende Wirtschaft muss ihm dazu die Gelegenheit geboten haben.


Trauungseintrag: Johann Ems und Anna Peschl

Allerdings war der Weg sicher nicht leicht, denn erst mit vierzig Jahren war er so weit, Anna Peschl zu heiraten. Aus dem Kirchenbuch geht hervor, dass er es damals bereits zum Händler und Hausbesitzer in Schwechat bei Wien gebracht hatte. Doch damit nicht genug. Auf dem Foto, das ihn etwa ein Jahrzehnt später stolz vor der Maischepfanne einer Bierkleinbrauerei zeigt, kann man erkennen, dass er zwischenzeitlich zum Besitzer dieses Betriebs aufgestiegen war. Eine beachtliche Leistung für einen armen Söllnersohn aus Feistritz! Und Schwechat wurde für die Emser ein ganzes Jahrhundert lang die neue Heimat.

Doch das Glück währte nicht für immer! Gerade in dieser Zeit führte ein Herr Dreher in Schwechat das Lagerbier ein, ein Drank, der sich länger lagern ließ und von besserer Qualität war als das Bier der lokalen Kleinbrauer. Allmählich wurden diese von Dreher aufgekauft oder in den Konkurs getrieben. So muss es auch für Johann gewesen sein. Seine beiden Söhne sind jedenfalls nicht mehr als Hausbesitzer in Schwechat vorzufinden.

Die Nemesis der Kleinbrauereien
Künstler: Kriehuber (1863)   Quelle: Österreichische Nationalbibliothek

Dem jüngeren Sohn Lorenz Ems (1861-1924) war es allerdings gelungen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Er zog nach Budapest und versorgte sich dort als Fassbinder. Sein älterer Bruder Philipp Jakob (geb. 1857) hatte es da schwerer. Er blieb in Schwechat und erlernte das Maurerhandwerk. Doch scheint er damit nicht sehr erfolgreich gewesen zu sein, denn laut mündlicher Überlieferung in der Familie lebte er im Alter mit seiner Frau Franciska in Armut.

Auch seinem Sohn Leopold Franz (1889-1952) erging es nicht besser. Im Heiratsbuch ist er als „Hilfsarbeiter” eingetragen. Er musste einrücken und wurde gegen Ende des Ersten Weltkriegs schwer am Kopf verwundet. Danach hatte er sein Leben lang große Schmerzen, die er mit Tabak und Alkohol zu dämpfen suchte. Ein Jahr nach dem Friedensschluss heiratete der 30-Jährige die etwas jüngere Köchin Paula Mayer (1894-1929). Die Ehe scheint glücklich gewesen zu sein, denn Paula gebar ihm innerhalb kurzer Zeit drei Kinder: Emil Leopold (1920-1964), Leopoldine (geb. 1921) und Paula.

Doch dann kam der Schicksalsschlag: Schon 1929 starb die junge Mutter an einem Herzleiden, und der angeschlagene Kriegsinvalide stand mit drei Kindern hilflos da! Glücklicherweise hatte seine Gattin Schwestern, die sich um die beiden Töchter kümmern konnten. Poldi kam zu Tante Resi, Paula zu Tante Mina. Wer den neunjährigen Buben übernahm, ist nicht überliefert. Und das ist vielleicht gut so, denn er wurde von seinen Zieheltern schwer misshandelt. Die Fürsorge musste schließlich eingreifen und Emil Leopold wurde aufs Land zu neuen Zieheltern verpasst. Das war zur Zeit der großen Depression, als die Landbevölkerung noch etwas zu essen hatte, während man im Großraum Wien schwer hungerte. 

Suppenausteilung an hungernde Wiener um 1931
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek

Und so kam es, dass der junge Emser in der Oststeiermark Fuß fasste. Die Bauernfamilie Gotthard aus dem kleinen Ort Neudau südlich von Hartberg nahm sich seiner an. Zum großen Glück für den armen Jungen! Die Gottharder behandelten ihn wie ihren eigenen Sohn, und bis heute sind die Emser und Gottharder in enger freundschaftlicher Verbindung geblieben.

Auch Emil Leopold war wie sein Vater schwer vom Krieg gezeichnet. Er kam im Zweiten Weltkrieg vor allem auf dem Balkan zum Einsatz und wurde zweimal verwundet, das zweite Mal mit einem Bauchschuss, der lebenslange Nachwirkungen hinterließ. Er hatte jedoch bereits vor dem Krieg eine Lehre als Bäcker absolviert und konnte, noch im Krieg, eine eigene Bäckerei in Neudau eröffnen. Gleichzeitig heiratete er seine Maria (geb. Resch, 1923-1972). Das war im Jahr 1944.

Emser-Gottharder Familientreffen um 1957

Aus dieser Ehe stammen die drei Emser, die mit ihrer Brüderreise im Jahr 2019 den Anstoß zu diesem Blog gegeben haben. Emil Johann wurde bereits im Dezember 1944 geboren, danach folgten Richard (1948) und schließlich Ludwig (1957).

Wir drei Brüder durften eine Zeit erleben, die in der europäischen Geschichte einzigartig ist. Noch nie zuvor hat es eine so langjährige Epoche des Friedens und des Wirtschaftszuwachses in Europa gegeben! Und das, obwohl zuvor ein erneuter „Dreißigjähriger Krieg” mit weltweiten Schlachten, Staatsumbrüchen, unbeschreiblichen Gewalttaten und einem totalen Wirtschaftszusammenbruch stattgefunden hatte! In den fast achtzig Friedensjahren nach 1945 ist es uns dreien gut gegangen. Das gibt jedoch keinen Anlass zum Selbstlob: Wenn es mit der Wirtschaft zügig vorangeht, ist es leicht, auf den grünen Zweig zu kommen. So bleibt uns nur zu hoffen, dass auch unseren Nachkommen Friedens- und Fortschrittszeiten gegönnt werden.

Drei Brüder Ems blicken mit ihren Eltern erwartungsvoll in die Zukunft

-o-

Nachdem wir nun den Emsern bereits in dreißig Blogabschnitten gefolgt und mit den „Neu-Emsern” bis in die Gegenwart vorgedrungen sind, stellt sich dem Leser vielleicht die Frage, ob und inwiefern wir von den „Alt-Emsern” abstammen. Eine sehr gute Frage, die leider kaum zu beantworten ist. Es ist einmal so, dass alle Ahnenforschung früher oder später auf ihre Grenzen stößt. In unserem Fall haben wir das den Osmanen und Kuruzzen zu verdanken.  

Im Juli 1683 drang eine massive Armee der Osmanen unter der Leitung von Kara Mustafa Pascha in das Wiener Becken ein. Ihr Ziel war es, die Residenzstadt Wien zu erobern. Auch die im Pittental gelegene Pfarre Edlitz war dem Türkeneinfall ausgesetzt. Zwar hielt die uralte Wehrkirche dem Angriff stand, doch der Pfarrhof und die Wirtschaftsgebäude fielen wahrscheinlich den Flammen zum Opfer. Auch wenn Edlitz entgegen den Erwartungen nicht von den Türken niedergebrannt wurde, hätte die Siedlung den mehrjährigen Einfällen der Kuruzzen in deren Aufstand in den Jahren 1703-1711 auch nicht standhalten können. Deshalb gibt es in Edlitz, wie in anderen Orten der Buckligen Welt auch, keine Kirchenbücher mit Eintragungen vor dem Jahr 1712.

                    Kuruzzeneinfall ...                      ... und Wehrkirche Edlitz
          Quelle: Wikimedia Commons                     Künstler: Hofbauer (um 1900)

Unsere frühesten dokumentierten Vorfahren stammen gerade aus diesem Ort in der Buckligen Welt. Sie haben hier das gesamte achtzehnte Jahrhundert gelebt. Urban Ems, den wir bereits kennengelernt haben, wurde 1778 hier geboren. Auch sein Vater Jakob Ems (geb. 1741) und sein Großvater Mathias Ems (gest. 1744) waren Edlitzer. Mit dessen Vater Thomas Ems (1676-1731) endet jedoch die Kette der dokumentierten Emser. Wir kennen ihn nur durch seine Eintragung im Edlitzer Sterbebuch. Davor herrscht Schweigen. Wir sind am Ende der traditionellen Ahnenforschung angelangt. Nur eine gründliche Dokumenten- und Geschichtsforschung könnte uns eventuell weiterhelfen. Dazu braucht es allerdings mehr als eine Brüderreise und Durchforstung von Kirchenbüchern.

Das sollte uns doch nicht davon abhalten, weiterhin über die Abstammung der Neu-Emser und eine mögliche Verbindung zu den Alt-Emsern nachzudenken. Dies mag vermessen erscheinen, aber der Familienname „Ems” kommt in Österreich nur selten vor. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass er auch von sich in der Buckligen Welt entstanden sei. Lassen wir uns also auf ein Gedankenexperiment ein: Nehmen wir an, dass die Neu-Emser tatsächlich von den Alt-Emsern abstammen; wie könnte diese Verbindung entstanden sein und wie könnte es die Emser in die Bucklige Welt verschlagen haben?

Eines können wir gleich feststellen: Der Adelsstand muss auf der „Reise” verlorengegangen sein. Andernfalls gäbe es in unserer Familie noch eine entsprechende Überlieferung. Wie uns Clemens von Waldburg-Zeil bei unserem Besuch von Schloss Hohenems (Erleuchteter Glanz) erklärt hat, hätten wir beispielsweise bestimmt noch ein Familienwappen mit einem Steinbock vorzuweisen.

Emser Wappen ... vor ...    ... und nach der Mitte des 14. Jahrhunderts
Zürcher Wappenrolle (um 1330)                Cranach (1565), Deutsches Stammbuch
Schweizerisches Landesmuseum Zürich      Manchester University Library

Mit diesem Schlusssatz stellt sich die Frage, wie Abzweigungen des zuerst adeligen und später hochadeligen Stammes der Emser ihren Adelsstatus verloren haben könnten. Handelt es sich um legitime Nachkommen der Familie, können wir sicher sein, dass dies nicht mehr nach ihrer Erhebung in den Reichsgrafenstand im Jahr 1662 geschehen ist. Sonst gäbe es dokumentierte Berichte darüber. Weiter zurück in die Vergangenheit sind nicht alle Abzweigungen der Familie wohldokumentiert, sodass es uns freisteht, darüber zu spekulieren.

In früheren Zeiten konnten nicht alle männlichen Nachkommen der Familie das Hohenemser Lehen übernehmen. Meistens wurde ein Sohn für die Kirche bestimmt, andere mussten sich anderswo eine Existenz aufbauen; meistens traten sie in den Dienst großer Landesherren wie der Grafen von Tirol oder versuchten, durch Heirat eine Herrschaft zu ergattern. Diejenigen, die damit Erfolg hatten, sind in den Chroniken verzeichnet und teilweise auch von uns erfasst, wie beispielsweise die Tiroler Emser (Am Abgrund) und Hans I. von Ems zu der Dornbüren (Phoenix ascendens). Über den Rest ist nichts oder nur wenig bekannt, besonders was die Zeit vor der Mitte des 14. Jahrhunderts betrifft.

Ein Beispiel ist ein Seitenzweig der Emser, der sich bereits vor der Mitte des 14. Jahrhunderts gebildet haben muss. Ihr Familienwappen war nämlich noch eine Variante des alten Wappens. Das Geschlecht scheint in den Annalen gegen Ende des 15. Jahrhunderts in Franken, südwestlich von Nürnberg, auf. Zu dieser Zeit waren diese Emser Amtsmänner des Markgrafen von Ansbach und besaßen das Gut Berolzheim im Markgraftum. Nachdem sie diesen Besitz im Jahr 1573 an Graf Wolf II. von Pappenheim verkauft hatten, verschwanden sie wieder aus den Annalen. Ihr Dienst beim Markgrafen war vorbei und es ist möglich, dass sie danach eine Standesreise „nach unten” begonnen hatten. Es bedurfte dann nur noch einer Heirat „zur Linken”, um Nachkommen ohne Adelsstatus zu hinterlassen.

Emser Burg Berolzheim, angegriffen im Fränkischen Krieg 1523
Künstler: Wandereisen (1523)     Quelle: Staatsbibliothek Bamberg

Der Vorarlberger Geschichtsforscher Welti hat darauf hingewiesen, dass sich einige Emser bis zur Renaissance in Städten am Alpenrhein und in Südschwaben einbürgern ließen (Welti [1930]). Das allein kann nicht den Standesverlust mit sich gebracht haben. Es ist jedoch möglich, dass sie sich bürgerlich verheirateten, wodurch ihre Nachkommen ebenfalls in den Bürgerstand „abwanderten” und in den Urkunden nicht mehr aufscheinen. Auch die Ausübung eines bürgerlichen Berufs oder Handwerks hatte damals den Verlust des Adelsstandes zur Folge.

Was die illegitimen Abkommen der adeligen Emser betrifft, gab es in alten Zeiten eine Vielzahl davon. Vor der Zeugung von Kindern genierte man sich damals nicht. So war Jakob Hannibal I. beispielsweise Vater von mindestens zwölf Kindern. Nur die Hälfte davon war legitim, doch vier der übrigen wurden vom Vater anerkannt und bekamen den Familiennamen „Emser” (Welti [1954]). Andere Emser Nachkommen, die anerkannt wurden, behielten den Namen „Ems”, wie beispielsweise ein Sohn des Merk Sittich I., der als Priester in Vorarlberg wirkte (Welti [1930]). Somit ist belegt, dass es in der Vergangenheit eine Reihe von Emsern gab, die nicht adelig waren und dennoch den Familiennamen „Ems” trugen.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wie solche Emser in die Bucklige Welt gekommen sein könnten. Hier ist erneut die Periode von 1683 bis 1711 von Bedeutung, in der zuerst die Türken und schließlich die Kuruzzen in die Gegend einfielen, alles niederbrannten, was an Höfen und Gütern vorhanden war, und die Bevölkerung vertrieben oder sogar verschleppten. Diese Einfälle waren um 1708 beendet, auch wenn es noch drei weitere Jahre dauerte, bis endlich wieder Frieden herrschte. Danach hatten alle Grundherren in der Gegend sowie die Kirche alle Hände voll zu tun, um ihre Besitzungen wiederzubeleben.

Türkeneinfall
Künstler: Juan de la Corte      Quelle: Prado, Madrid

Die Not war groß: Viele Höfe waren niedergebrannt und menschenleer. Es galt, so bald wie möglich die „Repeuplierung“ (Neubesiedlung) einzuleiten. Siedler wurden vor allem aus der Steiermark, Oberösterreich und Salzburg angeworben, es gab aber auch andere Einwanderer. So waren in dieser Zeit wiederholt Gruppen aus Südschwaben und Vorarlberg entlang der Donau unterwegs. Sie hatten eigentlich Siebenbürgen zum Ziel, wurden aber von Grundherren im Wiener Becken zum Bleiben verleitet. Einige von ihnen fanden sogar ihren Weg in die Oststeiermark, um dort verödete Höfe neu zu besiedeln. Dazu gehören beispielsweise die Gottharder in Neudau, die unseren Vater einst als Ziehsohn aufgenommen hatten. Es ist daher durchaus möglich, dass eine Familie Ems aus dem Alpenrhein oder Schwaben zu diesem Zeitpunkt in Edlitz Fuß gefasst hätte.

Doch wir sollten uns durch diese Vorstellungen nicht zu falscher Gewissheit verleiten lassen. Sie sind trotz allem nur eitle Gedankenspiele. Allerdings könnten sie zu weiteren Nachforschungen inspirieren, die über das Studium der Kirchenbücher hinausgehen. Diese würden jedoch aus mühseligen Durchforstungen aller noch vorhandenen Urbare und anderer Dokumente aus jener Zeit in den ehemaligen Edlitzer Herrschaften sowie im Stift Reichersberg (dem Betreuer der Edlitzer Kirchengemeinde) bestehen. Eine Sisyphosarbeit, die wir gerne den jüngeren Emsern überlassen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

SCHULDENFALLE

DESENGAÑO

ARS LONGA VITA BREVIS